Vortrag im Rahmen der Öffentlichen Ringvorlesung (SoSe 2026) Queer_Feministische (Denk)Bewegungen – widersprüchliche Verbindungen mit und Impulse für Soziale(r) Arbeit
13.04.2026, 8:00 Uhr – 20:00 Uhr, Hochschule Hannover, Blumhardtstraße 2, 30625 Hannover
Der Rassismus, von dem Rom*nja und Sinti*zze betroffen sind, stellt – wie es in dem Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus heißt – ein „historisch gewachsenes und eigenständiges Macht- und Gewaltverhältnis [dar], dessen bislang radikalste Ausprägung der staatlich organisierte Genozid im Nationalsozialismus war“ (Stender 2023: 68). Diese MassenMordGeschichte hat ein doppeltes Publikum: Das der Dominanzgesellschaft (Rommelspacher 1998), die als Verursacher von Rassismus gegen Sinti*zze und Rom*nja leugnete und die Community der Rom*nja und Sinti*zze selbst, die versuchen, sich ihrer Geschichte Stück für Stück zu bemächtigen. Rom*nja und Sinti*zze waren aktive Widerständige gegen die NS-Diktatur und Faschismus, und sind Aktivistinnen im Kampf gegen alltäglichen Rassismus und Sexismus heute. Die Unsichtbarmachung diente Weißen der Aufrechterhaltung zentraler Macht, der in diesem Beitrag als Ort des Widerstandes begriffen wird und von dem aus agiert und das Machtzentrum der Dominanzkultur destabilisiert werden soll. Von daher: Upre UniRomnja
Prof. Dr. Elizabeta Jonuz ist Erzieherin, Diplom-Sozialpädagogin und Professorin für Migration und Internationales an der Hochschule Hannover. Sie war u.a. beteiligt an der Organisation des Kongresses „Upre Romnja“ in Köln (internationaler Kongress von Rom*nja und Sinti*zze, 1996) und Mitredakteurin der „Jekh Chib“, Materialien zur Situation der Roma in der BRD: Roma-Frauen in Bewegung. Gemeinsam mit Jane Weiß veröffentlichte sie 2020 die Studie „(Un-)Sichtbare Erfolge. Bildungswege von Romnja und Sintize in Deutschland“, Wiesbaden: Springer VS.
Soziale Arbeit ist in ihrer Geschichte und Entwicklung eng mit queer_feministischen Bewegungen verknüpft – auch wenn das oftmals unsichtbar bleibt. Gleichzeitig führen die damit einhergehen Prozesse der Institutionalisierung zu widersprüchlichen Dynamiken (das kann insgesamt in Bezug auf Impulse aus Sozialen Bewegungen analysiert werden), denn Soziale Arbeit nimmt immer auch eine Ordnungs-, Normalisierungs- und Kontrollfunktion ein. Für queer_feministisch orientierte Soziale Arbeit folgt damit sowohl in Praxis als auch in Theorie und Wissenschaft eine gleichzeitig etablierte und prekäre sowie paradoxe und konfliktreiche Position. Um sich mit diesem komplexen Zusammenhang auseinanderzusetzen, finden von Mitte April bis Mitte Juni 2026 im Rahmen einer Ringvorlesung an fünf Montagen, 18-20 Uhr, in der Aula am Campus Kleefeld öffentliche Vorträge mit anschließendem Austausch statt.
