Ziele und Aufgaben

Antiziganismusforschung ist an deutschen Universitäten bisher nicht etabliert und kaum präsent. Deshalb haben sich 1998 Forschende aus verschiedenen Disziplinen (wie Geschichtswissenschaft, Politologie, Pädagogik, Europäischer Ethnologie, Literaturwissenschaft) in der GfA zusammengeschlossen.

Die GfA versteht es als ihre Aufgabe:

– Antiziganismus in allen gesellschaftlichen Bereichen in Vergangenheit und Gegenwart zu erforschen
– den Austausch der Forschenden zu ermöglichen und zu fördern
– Forschungsprojekte Anderer anzustoßen und zu beraten
– Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

Satzung

der “Gesellschaft für Antiziganismusforschung” e.V.

§ 1 Name, Sitz, Geschäftsjahr
1. Der Verein führt den Namen “Gesellschaft für Antiziganismusforschung”. Er soll in das Vereinsregister des Amtsgerichts Marburg eingetragen werden. Dem Vereinsnamen ist nach der Eintragung im Vereinsregister der Zusatz “e.V.” anzufügen.
2. Der Verein hat seinen Sitz in Marburg.
3. Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

§ 2 Zweck

1. Der Verein erforscht den Antiziganismus in Vergangenheit und Gegenwart sowie seine Folgen, insbesondere den Holocaust an Sinti und Roma.
2. Der Verein fördert durch eigene Projekte und Publikationen die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Antiziganismus in allen gesellschaftlichen Bereichen.
3. Der Verein ist sich der Rolle der Wissenschaft bei der Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma bewußt. Er führt deshalb den Dialog mit der Minderheit und sucht das Gespräch mit anerkannten Vertretern der Sinti und Roma.
4. Der Verein berät, unterstützt und fördert Facheinrichtungen bei der Erforschung des Antiziganismus und der Vermittlung von Forschungsergebnissen an Schulen, anderen Bildungseinrichtungen und in der Öffentlichkeit.

§ 3 Gemeinnützigkeit

1. Die “Gesellschaft für Antiziganismusforschung” verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “Steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung.
2. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
3. Mittel des Vereins werden nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins.
4. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zwecke des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.
5. Bei Auflösung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt das Vermögen des Vereins an das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg.

§ 4 Mitgliedschaft

1. Mitglieder können natürliche und juristische Personen und Vereine werden. Natürliche Personen können zu Ehrenmitgliedern ernannt werden.
2. Eine Aufnahme in den Verein ist schriftlich zu beantragen. Über den Aufnahmeantrag entscheidet der Vorstand mit einfacher Mehrheit.
3. Die Ernennung zu Ehrenmitgliedern erfolgt auf Vorschlag des Vorstands durch Beschluß der Mitgliederversammlung.
4. Die Mitgliedschaft endet durch Austritt, Ausschluß oder Tod. Der Austritt ist jederzeit durch schriftliche Erklärung an den Vorstand möglich. Der Ausschluß erfolgt druch Beschluß des Vorstandes,
a) wenn das Mitglied trotz erfolgter Mahnung mit der Bezahlung von zwei Jahresbeiträgen im Rückstand ist,
b) bei grobem oder wiederholtem Verstoß gegen die Satzung oder gegen die Interessen des Vereins. Im zweiten Fall wird dem Mitglied unter Setzung einer angemessenen Frist Gelegenheit zur Rechtfertigung gewährt. Der Beschluß über den Ausschluß wird mit Gründen versehen und dem Mitglied mittels eingeschriebenen Briefes bekanntgemacht. Gegen den Ausschließungsbeschluß des Vorstandes steht dem Mitglied das Recht der Berufung an die Mitgliederversammlung zu. Diese entscheidet endgültig; bis zu diesem Zeitpunkt ruhen die Mitgliedschaftsrechte.

§ 5 Jahresbeitrag und Spenden

1. Der Jahresbeitrag wird durch die Mitgliederversammlung festgesetzt. Der Jahresbeitrag für Schüler, Studenten und Auszubildende kann bis zu 50 % ermäßigt werden. Der Vorstand kann auf Antrag in Härtefällen Ermäßigung oder Erlaß gewähren.
2. Der Verein ist berechtigt, steuerlich abzugsfähige Spenden entgegenzunehmen und Spendenbescheinigungen zur Vorlage bei den Steuerbehörden auszustellen.

§ 6 Organe des Vereins

Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand, der Wissenschaftliche Beirat und das Kuratorium.

§ 7 Mitgliederversammlung

1. Die Mitgliederversammlung wird mindestens alle zwei Jahre durch den Vorsitzenden/die Vorsitzende zwei Wochen vorher schriftlich unter Angabe der Tagesordnung einberufen. Sie ist außerdem einzuberufen, wenn ein Viertel der Mitglieder dies unter Angabe des Zwecks und der Gründe beantragen.
2. Die Mitgliederversammlung bestimmt die Richtlinien für die Arbeit des Vereins.
3. Die Mitgliederversammlung wählt die Vorstandsmitglieder in ihren Funktionen mit Ausnahme des Sprechers/der Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats, ferner die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats und des Kuratoriums, die Ehrenmitglieder und zwei Kassenprüfer.
4. Die Mitgliederversammlung nimmt den Tätigkeitsbericht und Kassenbericht des Vorstands und den Prüfungsbericht entgegen und entscheidet über die Entlastung des Vorstands.
5. Jede ordnungsgemäß einberufene Mitgliederversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig. Sie entscheidet über Satzungsänderungen, über den Ausschluß von Mitgliedern und über die Auflösung des Vereins mit 3/4 der anwesenden Mitglieder. Anträge auf Satzungsänderung und auf Ausschluß von Mitgliedern sind schriftlich mit der Einladung zur Mitgliederversammlung zu versenden.
6. Ergebnisse und Beschlüsse sind in einem Protokoll festzuhalten. Das Protokoll wird vom Versammlungsleiter und vom Protokollanten unterzeichnet.

§ 8 Vorstand

1. Der Vorstand besteht aus dem/der Vorsitzenden, dem Stellvertreter/der Stellvertreterin, dem Schriftführer/der Schriftführerin und dem Schatzmeister/der Schatzmeisterin. Der Sprecher/die Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats ist Mitglied des Vorstands.
2. Die Vorstandsmitglieder werden von der Mitgliederversammlung für zwei Jahre gewählt. Wiederwahl ist möglich.
3. Der Vorstand verfolgt die Ziele des Vereins, er führt die Beschlüsse der Mitgliederversammlung und des Wissenschaftlichen Beirats aus und verwaltet das Vereinsvermögen.
4. Der Vorstand tritt mindestens zweimal jährlich zusammen, kann aber auch im Umlaufverfahren entscheiden.
5. Vorstand im Sinne des § 26 BGB sind der Vorsitzende/die Vorsitzende und der Stellvertreter/die Stellvertreterin, und zwar jeder/jede für sich allein.

§ 9 Wissenschaftlicher Beirat

1. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören mindestens sieben vom Vorstand vorgeschlagene und von der Mitgliederversammlung auf die Dauer von zwei Jahren gewählte Mitglieder des Vereins an. Wiederwahl ist zulässig.
2. Der wissenschaftliche Beirat wählt aus seinen Reihen einen Sprecher/eine Sprecherin
3. Der wissenschaftliche Beirat berät und unterstützt den Vorstand bei allen wissenschaftlichen Projekten des Vereins.
4. Der wissenschaftliche Beirat tritt mindestens einmal jährlich zusammen.

§ 10 Kuratorium

1. Dem Kuratorium gehören herausragende Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben an, die von der Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstandes für vier Jahre gewählt werden. Wiederwahl ist zulässig.
2. Das Kuratorium fördert die Arbeit des Vereins als Ganzes.

Die Satzung wurde am 17. Juli 1998 errichtet, zuletzt geändert am 23. Januar 2009.

Was ist Antiziganismus?

Antiziganismus ist der Fachbegriff für den Rassismus gegenüber Sinti, Roma, Jenischen und anderen als ‚Zigeuner‘ stigmatisierten Gruppen und Einzelpersonen. Die Auswirkungen des Antiziganismus reichen von inneren Vorbehalten über offene Ablehnung, Ausgrenzung, Vertreibung, physischer Gewalt bis zur systematischen Vernichtung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus.

Antiziganismusforschung befasst sich – im Gegensatz zur „Tsiganologie“, die vermeintliche „Zigeuner“ zum Objekt der Forschung macht – mit den Einstellungen, Bildern und Praktiken der Mehrheitsbevölkerung, welche sich auch in Büchern, Filmen, Datenbanken, Photographien und anderen Kulturprodukten manifestieren.

Der Begriff des „Antiziganismus“ war jenseits eines kleinen Fachpublikums bis in die Mitte der 2000er Jahre weitgehend unbekannt. Inzwischen wird er in der Öffentlichkeit, der Politik und der pädagogischen Arbeit breiter rezipiert. In der Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren eine Debatte über Stärken, Schwächen und Gefahren des Begriffs entwickelt, die bis heute andauert.

Die Gesellschaft für Antiziganismusforschung veröffentlichte im Juli 2016 als Teil einer internationalen „Allianz gegen Antiziganismus“ ein Referenzpapier mit einer Arbeitsdefinition zu Antiziganismus. Eine aktuelle Liste der Mitglieder, sowie die englische Fassung des Referenzpapiers können auf www.antigypsyism.eu eingesehen werden. Die deutsche Übersetzung befindet sich als PDF hier:

Grundlagenpapier-Antiziganismus

 

Weiterführende Literatur:
– End, Markus (2013): Antiziganismus. Zur Verteidigung eines wissenschaftlichen Begriffs in kritischer Absicht. In: Bartels, Alexandra; Borcke, Tobias von; End, Markus; Friedrich, Anna (Hrsg.): Antiziganistische Zustände 2. Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse. Münster, S. 39–72.
– Randjelović, Isidora (2014): Ein Blick über die Ränder der Begriffsverhandlungen um „Antiziganismus“. In: Heinrich-Böll-Stiftung; Schuch, Jane; Randjelović, Isidora (Hrsg.): Perspektiven und Analysen von Sinti und Rroma in Deutschland. Heimatkunde – Dossier. Berlin, S. 19–37.
– Selling, Jan; End, Markus; Kyuchukov, Hristo; Laskar, Pia; Templer, Bill (Hrsg., 2015): Antiziganism – What’s in a Word? Proceedings from the Uppsala International Conference on the Discrimination, Marginalization and Persecution of Roma, 23-25 October 2013. Newcastle upon Tyne.